25.06.2021 14:19

Brustschmerzen Ursachen und Behandlung

Dr. Niels van de Roemer
Dr. Niels van de Roemer Medical Adviser
Brustschmerzen verstehen

Ursachen, Lebensphasen und was du dagegen tun kannst

Brustschmerzen, medizinisch als Mastodynie bezeichnet, gehören zu den häufigsten Beschwerden vieler Frauen – von der Pubertät bis zur Perimenopause. Die Schmerzen können plötzlich auftreten oder regelmäßig im Zyklus wiederkehren. Je nach Ursache reichen sie von leichtem Ziehen bis zu intensiven, stechenden Schmerzen. Doch was steckt wirklich dahinter? Und wann solltest du einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen?

Brustschmerzen in verschiedenen Lebensphasen

Während der Pubertät: Wenn die Brust wächst

Mit Beginn der Pubertät kommt es durch den Anstieg von Östrogen und Progesteron zur Brustentwicklung. Viele Mädchen spüren dabei:

  • Druckempfindlichkeit
  • Stechende oder ziehende Schmerzen
  • Einseitiges Wachstum und Verhärtungen unter der Haut

Diese Beschwerden sind völlig normal und ein Zeichen der körperlichen Reifung. Sie verschwinden meist nach einigen Monaten oder Jahren.

Zyklusbedingte Brustschmerzen

Die häufigste Form der Brustschmerzen tritt zyklusabhängig auf – vor allem in der zweiten Zyklushälfte, der sogenannten Lutealphase. Der steigende Progesteronspiegel verursacht Wassereinlagerungen, Schwellung und eine erhöhte Durchblutung des Brustgewebes.

Typische Symptome:

  • Spannungsgefühl
  • Schmerzende Brustwarzen
  • Knotenartiges Gefühl (nicht dauerhaft)
  • Beidseitiges Auftreten vor der Menstruation

Nach Einsetzen der Periode klingen die Beschwerden meist rasch ab.

Brustschmerzen in Schwangerschaft und Stillzeit

In der Frühschwangerschaft sind Brustschmerzen häufig eines der ersten Anzeichen. Der Körper bereitet sich hormonell auf die Stillzeit vor:

  • Die Brüste werden größer, schwerer und empfindlicher
  • Spannungsgefühle durch Gewebevermehrung
  • Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen

Während der Stillzeit kann es zusätzlich zu Milchstau oder Brustentzündung (Mastitis) kommen. Hier treten:

  • Lokale Rötungen
  • Schwellungen
  • Fieber und starke Schmerzen auf.

Brustschmerzen in der Perimenopause

Die Perimenopause, die Übergangsphase vor der Menopause, bringt unregelmäßige Zyklen und hormonelle Turbulenzen mit sich. Östrogen- und Progesteronspiegel schwanken stark – das kann erneut zu Brustschmerzen führen, auch wenn sie vorher nicht aufgetreten sind.

Typische Beschwerden:

  • Zyklusunabhängige Schmerzen
  • Empfindlichkeit der Brustwarzen
  • Knotenartige Verhärtungen
  • Kombination mit Hitzewallungen und Schlafstörungen

Weitere Ursachen für Brustschmerzen

Neben hormonellen Gründen gibt es auch zyklusunabhängige Auslöser:

  • Zysten und Fibroadenome (gutartige Gewebeveränderungen)
  • Falscher BH (zu eng oder ohne Halt)
  • Medikamente (z. B. Hormonersatztherapie, Antidepressiva)
  • Stress oder psychosomatische Reaktionen
  • Muskelverspannungen im Brust- oder Rückenbereich
Was hilft bei Brustschmerzen

Die besten Maßnahmen zur Linderung

Bewährte Hausmittel und Tipps:

Regelmäßige Bewegung zur Durchblutungsförderung

Körperliche Aktivität fördert die Durchblutung der Brustregion, hilft beim Abtransport von Flüssigkeitseinlagerungen und stimuliert den Hormonhaushalt. Bewegung wirkt auch stressabbauend – und Stress ist ein häufiger Verstärker hormoneller Beschwerden. Besonders empfehlenswert sind:

  • Spaziergänge
  • Radfahren
  • Yoga
  • sanftes Krafttraining

Zudem werden bei Bewegung Endorphine freigesetzt – körpereigene Schmerzstiller, die das Schmerzempfinden reduzieren.

Kühlende Umschläge gegen Entzündungen

  • ein kaltes Gelpad
  • ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch
  • oder einen Quarkwickel für etwa 10–15 Minuten auf die schmerzenden Brustbereiche. Die Kälte verengt die Blutgefäße, lindert Schwellungen und kann eine entzündungshemmende Wirkung entfalten – ideal bei hormonell bedingter Reizung.

Der richtige BH – oder bewusst darauf verzichten

Ein falscher BH kann Brustschmerzen verstärken. Empfehlenswert ist:

  • ein bügelloser Bralette aus weichem Material
  • oder ein Sport-BH mit sanfter Unterstützung, ohne zu drücken

Einige Frauen empfinden es auch als wohltuend, während schmerzhafter Phasen ganz auf einen BH zu verzichten, besonders zuhause. Wichtig: Die Brust sollte in jedem Fall nicht zusätzlich belastet oder eingeengt werden.

Pflanzliche Präparate mit Mönchspfeffer oder Johanniskraut

  • Mönchspfeffer (Agnus castus): Reguliert den weiblichen Zyklus, gleicht Progesteron- und Östrogenschwankungen aus und kann prämenstruelle Brustschmerzen deutlich lindern. Besonders hilfreich bei PMS und Mastodynie.

  • Johanniskraut: Vor allem dann wirksam, wenn Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Anspannung zusammen mit Brustschmerzen auftreten. Es wirkt ausgleichend auf das Nervensystem und hilft, die Stresskomponente hormoneller Beschwerden zu mildern.

Wichtig: Beide Präparate sollten nicht eigenständig, sondern nach Rücksprache mit Fachärzten eingenommen werden – insbesondere bei paralleler Medikamenteneinnahme (z. B. Pille oder Antidepressiva).

Wann solltest du zum Arzt oder zur Ärztin gehen?

Wenn du eines oder mehrere der folgenden Symptome bemerkst, solltest du deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt aufsuchen:

In den meisten Fällen sind Brustschmerzen harmlos. Doch bei folgenden Symptomen solltest du ärztlichen Rat einholen:

  • Einseitige, anhaltende Schmerzen
  • Nicht verschwindende Knoten oder Verhärtungen
  • Blutiger oder klarer Ausfluss aus der Brustwarze
  • Eingezogene Brustwarze
  • Hautveränderungen (z. B. Orangenhaut)
  • Schmerzen nach den Wechseljahren
Fazit

Brustschmerzen verstehen und gezielt handeln

Brustschmerzen gehören für viele Frauen zum Leben dazu – mal hormonell bedingt, mal als Reaktion auf äußere Reize oder Lebensphasen wie Pubertät oder Wechseljahre. Wichtig ist, dass du die Signale deines Körpers ernst nimmst, Symptome beobachtest und dich nicht scheust, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn etwas ungewöhnlich erscheint.

Mit Hausmitteln, pflanzlicher Unterstützung, Zyklus-Tracking und einem gesunden Lebensstil kannst du viel tun, um Beschwerden zu lindern und dein Wohlbefinden zu verbessern.

Sind Brustschmerzen in der Pubertät gefährlich?

Nein, sie sind normal und Teil der Brustentwicklung. Ein Arztbesuch ist nur nötig, wenn starke Schmerzen oder asymmetrisches Wachstum auftreten.

Sind Brustschmerzen ein Anzeichen für Brustkrebs?

Selten. Brustkrebs verursacht meist keine Schmerzen. Knoten oder Veränderungen sollten aber immer ärztlich untersucht werden.

Wie kann ich Brustschmerzen schnell lindern?

Kühle Umschläge, ein stützender BH, Bewegung und entzündungshemmende Tees helfen bei akuten Beschwerden.

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