25.08.2023 15:51

Das praemenstruelle Syndrom PMS Ursachen Symptome Behandlung

Dr. Niels van de Roemer
Dr. Niels van de Roemer Medical Adviser
Das prämenstruelle Syndrom

Was ist PMS?

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist ein komplexes Muster aus körperlichen, psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen, das in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus – der sogenannten Lutealphase – auftritt. Diese Symptome verschwinden oder bessern sich in der Regel mit dem Einsetzen der Menstruation. Trotz der weiten Verbreitung ist PMS keine klar abgegrenzte Krankheit, sondern vielmehr eine funktionelle Störung, die das tägliche Leben erheblich beeinflussen kann – je nach Ausprägung.

Ursachen des PMS verstehen

Die genauen Ursachen von PMS sind bis heute nicht vollständig geklärt. Forschende gehen jedoch davon aus, dass hormonelle Schwankungen im Zusammenhang mit dem Eisprung eine zentrale Rolle spielen. Dabei sind insbesondere die Hormone Östrogen und Progesteron im Fokus. Schwankungen in ihrem Gleichgewicht können das zentrale Nervensystem beeinflussen, insbesondere die Botenstoffe wie Serotonin, die unsere Stimmung regulieren.

Mögliche Ursachen und Einflussfaktoren:

  • Hormonelle Ungleichgewichte
  • Genetische Prädisposition
  • Stress und Schlafmangel
  • Nährstoffmängel (z. B. Magnesium, Vitamin B6, Kalzium)
  • Ungesunde Lebensgewohnheiten wie Koffein- oder Alkoholkonsum

Häufige Symptome von PMS

Die Symptome des prämenstruellen Syndroms können in ihrer Vielfalt und Intensität stark variieren. Sie treten meist 5 bis 11 Tage vor Beginn der Menstruation auf und verschwinden danach.

Körperliche Anzeichen

  • Brustspannen oder -schmerzen
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Blähungen, Verstopfung oder Durchfall
  • Erhöhtes Schlafbedürfnis oder Schlafstörungen
  • Heißhungerattacken, insbesondere auf Zucker oder Salz

Emotionale und kognitive Symptome

  • Reizbarkeit oder Aggressivität
  • Stimmungsschwankungen
  • Weinerlichkeit oder Traurigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Ängstlichkeit oder innere Unruhe
  • Gefühl der Überforderung
PMS-Symptome

Unterschiede in der Intensität

Jede Frau erlebt PMS individuell. Während manche nur leicht beeinträchtigt sind, können andere starke Einschränkungen in Alltag, Beruf und sozialen Kontakten erfahren.

Klassifikation nach Schweregrad

  • Mild: Leichte Symptome, kaum Einschränkungen im Alltag
  • Moderat: Spürbare Symptome mit Einschränkungen
  • Schwer: Deutliche Beeinträchtigung von Leistungsfähigkeit und Lebensqualität

Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)

Die prämenstruelle dysphorische Störung betrifft etwa 3–8 % der menstruierenden Frauen. Sie ist die extremste Form von PMS und gilt als ernsthafte psychiatrische Erkrankung, die oft mit Antidepressiva behandelt wird. Zu den Symptomen gehören:

  • Intensive Reizbarkeit
  • Gefühl der Hoffnungslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Soziale Isolation
  • Suizidgedanken (ärztliche Hilfe erforderlich!)
Diagnose

Wie wird PMS festgestellt?

Da es keine spezifischen Laborwerte oder bildgebenden Verfahren zur Diagnose von PMS gibt, erfolgt die Diagnose ausschließlich symptomorientiert. Die Zyklusüberwachung ist dabei das wichtigste Werkzeug.

  • Symptome mindestens 2–3 Zyklen dokumentieren
  • Verbindung zu bestimmten Zyklusphasen erkennen
  • Andere Erkrankungen ausschließen (z. B. Schilddrüsenerkrankungen, Depression)

Ein praktisches Tool zur Unterstützung der Diagnose ist der Zykluscomputer, mit dem man nicht nur die fruchtbaren Tage, sondern auch PMS-Symptome digital nachverfolgen kann.

Ernährung als Hilfe gegen PMS

Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung kann PMS-Symptome auf natürliche Weise lindern. Studien zeigen, dass Frauen mit einem höheren Spiegel an Vitamin D und Kalzium seltener unter PMS leiden. Bestimmte Mikronährstoffe wirken unterstützend auf Hormonbalance, Nervensystem und Stimmung.

Empfohlene Nährstoffe und Ernährung

  • Kalzium: Wirkt gegen Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Müdigkeit
  • Magnesium: Lindert Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und Reizbarkeit
  • Vitamin B6: Fördert Serotoninproduktion, hilft bei Depression und Angst
  • Omega-3-Fettsäuren: Entzündungshemmend, stimmungsaufhellend, nervenschützend

  • Regelmäßige Mahlzeiten, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden

  • Vollwertkost bevorzugen: Vollkorn, Hülsenfrüchte, frisches Obst und Gemüse
  • Hydration nicht vergessen: Mindestens 1,5–2 Liter Wasser täglich
  • Vermeidung von Crash-Diäten – Diese verschärfen hormonelle Ungleichgewichte

Was sollte vermieden werden?

  • Zuckerreiche Lebensmittel: Können Blutzuckerschwankungen und Stimmungsschwankungen verschlimmern
  • Koffein (Kaffee, Cola, Energydrinks): Verstärkt Reizbarkeit, Schlafprobleme und Brustspannen
  • Alkohol: Kann den Hormonhaushalt stören und depressive Verstimmungen verstärken
  • Verarbeitete Lebensmittel mit hohem Salzgehalt: Begünstigen Wassereinlagerungen und Blähungen

PMS verstehen und gezielt handeln

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist für viele Frauen eine regelmäßige Belastung – sowohl körperlich als auch emotional. Die Ursachen sind vielfältig, reichen von hormonellen Schwankungen bis zu Lebensstilfaktoren. Durch gezielte Maßnahmen wie Zyklusbeobachtung, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Stressreduktion lassen sich die Beschwerden oft deutlich lindern. Bei schweren Symptomen, insbesondere im Fall einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS), ist eine ärztliche Abklärung essenziell. Ein bewusster Umgang mit dem eigenen Zyklus ist der Schlüssel zu mehr Wohlbefinden.

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FAQ
Ist PMS bei jeder Frau gleich stark ausgeprägt?

Nein. Manche Frauen merken kaum etwas, während andere stark darunter leiden. Die Intensität der Symptome hängt von verschiedenen Faktoren wie Genetik, Lebensstil und Hormonbalance ab.

Kann ich PMS nur mit natürlichen Mitteln behandeln?

In vielen Fällen ja – Ernährung, Bewegung und Entspannungstechniken helfen effektiv. Bei schweren Symptomen kann jedoch auch eine medizinische Behandlung notwendig sein.

Ist PMS normal?

Nein, PMS ist nicht „normal“ – sondern häufig, aber behandelbar. Viele Frauen erleben PMS, doch das bedeutet nicht, dass man es einfach hinnehmen muss. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist – sei es hormonell, emotional oder durch Lebensstilfaktoren. PMS sollte ernst genommen und gezielt behandelt werden, um die Lebensqualität zu verbessern.

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