25.06.2022 09:58

Regelschmerzen Ursachen Symptome und hilfreiche Tipps

Dr. Niels van de Roemer
Dr. Niels van de Roemer Medical Adviser
Ursachen & hilfreiche Tipps

Was genau sind Regelschmerzen?

Regelschmerzen – auch Dysmenorrhö genannt – betreffen einen Großteil der menstruierenden Personen. Die Schmerzen sind oft krampfartig, treten vor oder während der Menstruation auf und konzentrieren sich auf den Unterbauch, können aber auch in den Rücken, die Oberschenkel oder sogar den Magenbereich ausstrahlen. Oft begleitet von Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwächegefühl oder Durchfall, können sie den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Weg mit den Krämpfen! Woher Regelschmerzen kommen und wie du sie endlich lindern kannst

Primäre vs. sekundäre Regelschmerzen – was ist der Unterschied?

Wie entstehen Regelschmerzen biologisch?

Mit dem Einsetzen der Regelblutung beginnt der Körper, die nicht benötigte Gebärmutterschleimhaut abzustoßen. Dabei produziert die Gebärmutter verstärkt sogenannte Prostaglandine – hormonähnliche Substanzen, die Kontraktionen der Muskulatur in der Gebärmutterwand auslösen. Diese Muskelbewegungen helfen beim Abtransport des Gewebes, verursachen jedoch auch die typischen Menstruationskrämpfe.

Bei manchen Frauen werden besonders viele dieser Prostaglandine ausgeschüttet. Die Folge: stärkere Kontraktionen, schlechtere Durchblutung und damit intensivere Schmerzen.

Primäre Dysmenorrhö

Beginnt oft schon in der Jugend, wenige Jahre nach der ersten Periode

  • Keine zugrunde liegende Erkrankung

  • Häufig hormonell bedingt

  • Symptome bessern sich oft mit zunehmendem Alter oder nach der ersten Geburt

Sekundäre Dysmenorrhö

  • Tritt meist später im Leben auf

  • Ursache liegt in organischen Veränderungen oder Erkrankungen

  • Häufige Ursachen: Endometriose, Adenomyose, Myome, Zysten, chronische Entzündungen

Symptome

Typische Symptome von Regelschmerzen

Regelschmerzen äußern sich meist durch krampfartige Unterleibsbeschwerden, die häufig mit weiteren Symptomen wie Rückenschmerzen, Übelkeit oder Erschöpfung einhergehen.

  • Krampfartige Schmerzen im Unterleib

  • Ziehendes Gefühl im Rücken oder in den Beinen

  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel

  • Durchfall oder Verstopfung

  • Kopfschmerzen, Erschöpfung

Zum Arzt

Wann solltest du medizinische Hilfe suchen?

  • Die Schmerzen sehr stark sind
  • Du regelmäßig Schmerzmittel nehmen musst
  • Die Schmerzen erst im späteren Alter begonnen haben
  • Blutungen unregelmäßig oder sehr stark sind
  • Zusätzliche Beschwerden wie Schmerzen beim Sex oder beim Wasserlassen auftreten
das kannst du tun

Regelschmerzen effektiv lindern

Regelschmerzen lassen sich durch eine Kombination aus Wärme, bewusster Ernährung, Bewegung, pflanzlichen Mitteln und – bei Bedarf – geeigneten Schmerzmedikamenten deutlich lindern. Wichtig ist, auf die Signale des Körpers zu hören und individuell passende Maßnahmen zu finden.

Wärme gegen Krämpfe

Wärme ist eine der effektivsten Sofortmaßnahmen:

  • Wärmflasche auf den Unterleib legen
  • Kirschkernkissen oder Wärmepflaster verwenden
  • Heißes Bad mit ätherischen Ölen (z. B. Lavendel oder Melisse)
  • Wärmende Cremes mit Capsaicin auftragen

Die Wärme entspannt die Muskulatur, regt die Durchblutung an und kann die Krämpfe deutlich reduzieren.

Ernährung anpassen – weniger Entzündung, weniger Schmerz

Einige Lebensmittel fördern Entzündungsprozesse und damit Regelschmerzen. Verzichte, wenn möglich, auf:

  • Schweinefleisch, Wurst und andere tierische Fette (reich an Arachidonsäure)
  • Industriezucker und Weißmehlprodukte
  • Koffein und Alkohol

Stattdessen setze auf:

  • Omega-3-Fettsäuren (Fettreicher Fisch, Leinöl, Chiasamen)
  • Frisches Obst und Gemüse
  • Ingwer (als Tee oder frisch gerieben)
  • Magnesiumreiche Lebensmittel (Nüsse, Vollkorn, Bananen, Spinat)

Bewegung und Sport – hilft wirklich!

Auch wenn es schwerfällt: Sanfte Bewegung kann die Schmerzen lindern. Empfehlenswert sind:

  • Yoga (besonders Übungen für Becken und unteren Rücken)
  • Spazierengehen
  • Schwimmen
  • Radfahren

Regelmäßiger Sport verbessert die Durchblutung und sorgt für den natürlichen Ausstoß von Endorphinen, den körpereigenen Schmerzhemmern.

Heilpflanzen und Tees

Folgende Kräuter haben sich bei Regelschmerzen bewährt:

  • Frauenmantel: Hormonregulierend
  • Schafgarbe: Krampflösend
  • Gänsefingerkraut: Muskelentspannend
  • Kamille: Entzündungshemmend und beruhigend
  • Traubensilberkerze: Unterstützt bei hormonellen Schwankungen

Trinke mehrere Tassen täglich, vor allem in der zweiten Zyklushälfte.

Natürliche Schmerzmittel – Ingwer statt Ibuprofen

Ingwer gilt als pflanzliches Schmerzmittel mit erstaunlicher Wirkung. Studien zeigen, dass Ingwer-Präparate genauso wirksam wie Ibuprofen sein können – bei weniger Nebenwirkungen.

Verwendung:

  • Frisch als Tee: 3–4 Scheiben mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen
  • In Pulverform oder Kapseln (Apotheke)

Nahrungsergänzung: Magnesium, Vitamin B6 & Co.

Magnesium entspannt die Muskeln und kann krampfartige Schmerzen lindern. Auch:

  • Vitamin B6 unterstützt den Hormonhaushalt
  • Vitamin D kann bei Mangel hormonelle Beschwerden verstärken
  • Eisen ist bei starker Menstruation besonders wichtig, um Erschöpfung zu verhindern

Sprich eine gezielte Supplementierung immer mit deinem Arzt oder deiner Ärztin ab.

Medizinische Schmerzmittel – wann sind sie sinnvoll?

Bei sehr starken Beschwerden helfen:

  • Ibuprofen (400–600 mg, max. 3x täglich)
  • Naproxen (wirkt besonders lange)
  • Diclofenac

Alle NSAR sollten am besten vor dem Schmerzmaximum eingenommen werden – also kurz vor dem Einsetzen der Periode. Bei Magenproblemen ist Magenschutz ratsam.

Achtsamkeit & Zyklusbeobachtung: Dein Körper spricht mit dir

Ein regelmäßiger Zyklus, eine stabile Stimmungslage und kalkulierbare Symptome zeigen, dass dein Hormonhaushalt im Gleichgewicht ist. Um Veränderungen früh zu erkennen, hilft:

  • Zyklus-Tracking mit Apps oder Zykluscomputern (z. B. Daysy, Lady-Comp oder Teena)
  • Menstruationstagebuch
  • Beobachtung von Blutfarbe, -menge und -konsistenz

So erkennst du frühzeitig Unregelmäßigkeiten und kannst deinem Körper gezielter helfen.

  • Blutung länger als 7 Tage
  • Sehr starke oder sehr schwache Blutung ohne Erklärung
  • Große Blutklumpen (>2 Euro)
  • Schmierblutungen zwischen den Perioden
  • Periodenfarbe orange oder grau
  • Zyklusaussetzer über mehrere Monate
Schermzen & GESUNDHEIT

Mit Wissen und Selbstfürsorge gegen Regelschmerzen.

Regelschmerzen sind belastend – aber sie sind kein Schicksal, das du hinnehmen musst. Ob durch Wärme, Ernährung, Bewegung oder gezielte pflanzliche Mittel: Es gibt viele Wege, sich selbst zu helfen. Bei anhaltend starken Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung Pflicht – denn hinter den Symptomen kann sich mehr verbergen als bloß der monatliche Zyklus.

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Meet the family

Zyklus verstehen. Hormonmuster erkennen.

Weil Zykluswissen Selbstfürsorge ist.

1) Iacovides S, et al: What we know about primary dysmenorrhea today: a critical review, Human Reproduction Update 2015, 21(6):762–778, https://doi.org/10.1093/humupd/dmv039

2) Bartley J: Dysmenorrhö bei jungen Mädchen, korasion 2013. https://www.kindergynaekologie.de/fachwissen/korasion/2013/pathophysiologie-und-therapeutische-optionen

3) Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ) 2001, Nr. 31, S. 34, (online) 29.07.2001, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2001/daz-31-2001/uid-1168

4) https://www.endometriose-vereinigung.de/was-ist-endometriose.html

5) Hutmacher J, et al.: Gynäkologie 1/18, Schwerpunkt; www.rosenfluh.ch/gynaekologie-2018-01/die-adenomyose

6) https://www.lecturio.de/magazin/arachidonsaeurederivate/

7) https://www.medizin-transparent.at/regelschmerzen-magnesium/

8) Negi R, et al: Efficacy of Ginger in the Treatment of Primary Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-analysis. Cureus. 2021 Mar 6;13(3):e13743. https://dx.doi.org/10.7759/cureus.13743

9) Bühring U, Girsch M: 10 Heilpflanzen in der Frauenheilkunde. Aus: Praxis Heilpflanzenkunde. Thieme 2016; https://dx.doi.org/10.1055/b-0036-137700

10) Graz B, et al: Dysménorrhée: patience, pilules ou bouillotte? [Dysmenorrhea: patience, pills or hot-water bottle?]. Rev Med Suisse. 2014;10(452):2285-8. https://www.revmed.ch/revue-medicale-suisse/2014/revue-medicale-suisse-452/dysmenorrhee-patience-pilules-ou-bouillotte

11) Carroquino-Garcia P, et al: Therapeutic Exercise in the Treatment of Primary Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-Analysis, Physical Therapy, Volume 99, Issue 10, October 2019, Pages 1371–1380, https://doi.org/10.1093/ptj/pzz101

12) Firstpost-Artikel vom 20. Dezember 2019: https://www.firstpost.com/health/11-tried-and-tested-home-remedies-for-period-pain-from-women-who-swear-by-them-7799171.html