27.06.2024 11:48

Die Schilddrüse und ihr Einfluss auf den weiblichen Zyklus

Dr. Niels van de Roemer
Dr. Niels van de Roemer Medical Adviser
Schilddrüse

Die Schilddrüse so wichtig für unsere Zyklusgesundheit

Die Schilddrüse ist ein zentrales Steuerorgan für den menschlichen Stoffwechsel. Ihre Bedeutung für den weiblichen Zyklus und die Fruchtbarkeit wird dabei oft unterschätzt. Eine fehlerhafte Schilddrüsenfunktion, insbesondere eine Schilddrüsenunterfunktion, kann erhebliche Auswirkungen auf die Hormonbalance und die Menstruation haben. In diesem Artikel erklären wir ausführlich, wie eng die Schilddrüsengesundheit mit dem weiblichen Zyklus verbunden ist und wie die Beobachtung der Basaltemperatur ein wertvoller Indikator sein kann.

Schilddrüse Funktion

Was ist die Schilddrüse und welche Funktionen erfüllt sie?

Die Schilddrüse ist eine schmetterlingsförmige Drüse, die sich an der Vorderseite des Halses befindet. Sie produziert die lebenswichtigen Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), welche den gesamten Stoffwechsel regulieren. Diese Hormone beeinflussen unter anderem:

  • Energieproduktion und -verbrauch
  • Körpertemperatur
  • Herzfrequenz
  • Zellregeneration
  • Regulation des Menstruationszyklus

Eine gesunde Schilddrüse sorgt dafür, dass der Körper im Gleichgewicht bleibt. Kommt es jedoch zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance – mit weitreichenden Folgen.

Zyklus

Schilddrüse und der Zyklus der Frau

Die Hormone der Schilddrüse beeinflussen die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse – ein komplexes System, das auch für den weiblichen Zyklus und den Eisprung verantwortlich ist. Bereits leichte Abweichungen in der Schilddrüsenfunktion können zu Zyklusstörungen führen, insbesondere:

  • Unregelmäßige Menstruationszyklen
  • Anovulation (Zyklen ohne Eisprung)
  • Kurze Lutealphase
  • Amenorrhö (Ausbleiben der Periode)
  • Starke oder schwache Blutungen

Gerade für Frauen mit Kinderwunsch ist die Schilddrüsengesundheit entscheidend. Studien zeigen, dass eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion die Fruchtbarkeit deutlich beeinträchtigen kann.

Symptome und Warnsignale

Schilddrüsenunterfunktion erkennen

Eine Hypothyreose entwickelt sich oft schleichend und wird daher häufig spät erkannt.

Typische Symptome sind:

  • Chronische Müdigkeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
  • Niedrige Basaltemperatur (unter 36°C)
  • Depressive Verstimmungen
  • Trockene Haut und Haarausfall

Auch der Zyklus verändert sich: Die Periode kann unregelmäßig werden, ausbleiben oder besonders stark ausfallen. Zyklen ohne Eisprung sind keine Seltenheit. Eine sehr niedrige Durchschnittstemperatur (unter 36°C), wie in der Beispielkurve zu sehen ist, kann auf eine mögliche Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen. Sollte deine Aufwachtemperatur unter 35°C Grad sein, wird dich die DaysyDay-App nach dem synchronisieren darauf hinweisen. Temperaturen unter 35°C Grad werden automatisch vom Algorithmus ausgeschlossen und als gelber oder roter Tag angezeigt.

Symptome und Warnsignale

Überfunktion der Schilddrüse erkennen

Die Hyperthyreose äußert sich ganz gegensätzlich.

Typische Symptome sind:

  • Unruhe und Nervosität
  • Schneller Herzschlag (Tachykardie)
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Zittern
  • Hohe Basaltemperatur (über 36,9°C)

Frauen mit einer Schilddrüsenüberfunktion berichten häufig von langen Zyklen und schwachen Blutungen. Auch hier kann der Eisprung ausbleiben, was die Fruchtbarkeit einschränkt. Eine relativ hohe Durchschnittstemperatur (über 36,9°C) wie in der Beispielkurve zu sehen ist, kann auf eine Überfunktion der Schilddrüse hinweisen.

Frühindikator

Die Basaltemperatur als Frühindikator für Schilddrüsenstörungen

Die tägliche Messung der Basaltemperatur – also der Temperatur direkt nach dem Aufwachen – bietet wertvolle Hinweise auf die Schilddrüsenfunktion. Liegt die Durchschnittstemperatur dauerhaft:

  • unter 36°C: Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion
  • über 36,9°C: Hinweis auf Schilddrüsenüberfunktion
  • zwischen 36,4°C und 36,9°C: Normalbereich

Die sogenannte Broda-Barnes-Methode basiert auf dieser Temperaturmessung. Auch wenn moderne Bluttests heute Standard sind, kann die kontinuierliche Temperaturbeobachtung frühzeitig Störungen offenbaren – insbesondere bei subtilen Symptomen.

Zyklustracking und die smarte Auswertung der Basaltemperatur

Mit Geräten wie Daysy, Lady-Comp und Teena lassen sich Zyklusdaten und Basaltemperatur einfach aufzeichnen und analysieren. Die App erkennt Temperaturmuster und kann somit frühzeitig auf mögliche Schilddrüsenprobleme hinweisen.

Ein Beispiel:

  • Temperatur unter 35°C: Die App warnt und markiert den Tag als potenziell auffällig.
  • Starke Schwankungen, fehlender Anstieg nach Eisprung oder eine verkürzte Lutealphase: Dies können Anzeichen einer Hormonstörung sein.

Wichtig ist jedoch: Die Temperaturmethode ersetzt keine ärztliche Diagnose. Auffällige Werte sollten immer mit einem Endokrinologen oder Gynäkologen besprochen werden.

Frühindikator

Schilddrüse und Kinderwunsch

Eine unentdeckte Schilddrüsenunterfunktion kann den Kinderwunsch erheblich erschweren. Der Zyklus wird unregelmäßig, der Eisprung bleibt aus, und die Gebärmutterschleimhaut kann sich nicht richtig aufbauen. Zudem erhöht eine Hypothyreose das Risiko für:

  • Fehlgeburten
  • Frühgeburten
  • Schwangerschaftsdiabetes

Daher ist es für Frauen mit Kinderwunsch besonders wichtig, die Schilddrüse regelmäßig untersuchen zu lassen und bei Bedarf eine hormonelle Therapie zu beginnen. Bereits eine milde Gabe von Thyroxin (T4) kann die Fruchtbarkeit steigern und die Schwangerschaft unterstützen.

Therapie der Schilddrüsenunterfunktion: Was hilft?

Die Standardtherapie bei einer Hypothyreose ist die tägliche Einnahme von L-Thyroxin (synthetisches T4). In bestimmten Fällen kann zusätzlich Liothyronin (T3) verabreicht werden, vor allem wenn die Umwandlung von T4 in T3 im Körper gestört ist. Bereits wenige Wochen nach Beginn der medikamentösen Behandlung berichten viele Betroffene über:

  • mehr Energie
  • stabilere Stimmung
  • regelmäßigere Zyklen
  • Temperaturanstieg auf Normalwerte

Die Einstellung der richtigen Dosis ist entscheidend. Der Hormonbedarf kann sich im Laufe der Zeit verändern – etwa durch Gewichtsveränderungen, Stress, Alter oder eine Schwangerschaft. Daher ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4) unerlässlich.

Therapie der Schilddrüsenüberfunktion: Was tun bei Hyperthyreose?

Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion zielt darauf ab, die Hormonproduktion zu normalisieren – entweder medikamentös mit Thyreostatika, durch eine Radiojodtherapie oder operativ. Nach erfolgreicher Behandlung der Überfunktion berichten viele Frauen über:

  • reduzierte Nervosität
  • erhöhte Belastbarkeit
  • normalisierte Zykluslänge
  • verbesserte Fruchtbarkeit
  • stabile Basaltemperatur

Auch hier gilt: Eine individuelle Anpassung der Therapie sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt sind essenziell für den Behandlungserfolg.

Erfahre mehr zum Thema

Wenn du deinen Zyklus kennst, kannst du Ernährung, Stimmung und Training optimal auf die hormonellen Veränderungen abstimmen und so gezielt davon profitieren.

Durch das Messen deiner Basaltemperatur erkennst du besser, wann du deine fruchtbare oder unfruchtbare Tage hast und bekommst ein tieferes Verständnis für deinen Zyklus.

Erfahre wie sich regelmäßige Eisprünge positiv auf deine Stimmung, Schlaf und dein allgemeines Wohlbefinden auswirken.

Meet the family

Zyklus verstehen. Hormonmuster erkennen.

Weil Zykluswissen Selbstfürsorge ist.

FAQ
Wie erkenne ich, ob meine Schilddrüse meinen Zyklus beeinflusst?

Typische Anzeichen sind unregelmäßige Zyklen, ausbleibende oder sehr starke Menstruationen, Zyklen ohne Eisprung sowie eine niedrige oder überdurchschnittlich hohe Basaltemperatur. Auch Symptome wie Müdigkeit, Gewichtsschwankungen, Nervosität oder Kälteempfindlichkeit können auf eine Schilddrüsenstörung hinweisen. Eine genaue Diagnose kann jedoch nur durch einen Bluttest beim Arzt erfolgen.

Beeinträchtigt eine Schilddrüsenstörung meine Fruchtbarkeit?

Ja, sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) als auch eine Überfunktion (Hyperthyreose) können den Eisprung verhindern, den Zyklus verlängern oder verkürzen und die Einnistung der Eizelle erschweren. Eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion ist daher besonders bei Kinderwunsch entscheidend.

Erkennt man eine Schilddrüsenstörung an der Basaltemperatur?

Die Basaltemperatur allein ersetzt keine ärztliche Diagnose, kann aber als Frühwarnsystem dienen. Auffällige Temperaturmuster – etwa dauerhaft zu niedrige oder zu hohe Werte – können auf eine Schilddrüsenunter- oder -überfunktion hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden.