26.08.2025 09:55

Beeinflusst der Mond die Fruchtbarkeit? Was die Wissenschaft wirklich sagt

Dr. Niels van de Roemer
Dr. Niels van de Roemer Medical Adviser

Mythos oder Wahrheit?

Über Jahrhunderte glaubten Menschen, dass der Mond Einfluss auf die weibliche Fruchtbarkeit hat. Vollmond galt als Symbol für die fruchtbarste Phase im Zyklus, während Neumond angeblich den Beginn der Menstruation ankündigte. Doch was sagt die Wissenschaft heute?

Der Mythos vom Vollmond und der Fruchtbarkeit

Früher wurden zahlreiche Beobachtungen gemacht: Heilkundige und frühe Studien schienen zu bestätigen, dass Frauen mehrheitlich bei Vollmond ihre fruchtbarste Phase durchlaufen. Auch die Anzahl der Geburten sollte bei Vollmond höher sein. Doch solche Annahmen basieren oft auf Anekdoten oder ungenauen Datensammlungen.

Aktuelle Forschungsergebnisse

In den letzten 25 Jahren haben Wissenschaftler:innen den Zusammenhang zwischen Mondphasen und Fruchtbarkeit genau untersucht – mit überraschendem Ergebnis:

  • Griechische Studie 2013: 74 Frauen über ein Jahr (980 Menstruationszyklen) zeigten keinerlei Synchronität mit Mondphasen.
  • Britische Studie 2005: Bei künstlichen Befruchtungen beeinflusste die Mondphase den Behandlungserfolg nicht messbar.
  • Historische und ländliche Daten: Eine spanische Studie mit fast 24.000 Geburten zwischen 1810 und 1929 fand keinen Zusammenhang. - ----- Ebenso ergab eine Beobachtung eines Naturvolks in Mali 1997 keine Korrelation, trotz fehlendem elektrischen Licht oder hormoneller Verhütung.

Frühe Studien vs. moderne Forschung

Frühere Studien wie eine chinesische Untersuchung von 1986 mit 826 Frauen zeigten eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit der Menstruation um den Neumond herum. Allerdings umfasste „Neumond“ mehrere Tage, ähnlich der Dauer einer Regelblutung, und wurde nicht stunden- oder minutengenau dokumentiert, wie es heute üblich ist.

Warum Vollmond und Eisprung zufällig zusammenfallen können

Die Mondphase dauert immer 29,5 Tage, der weibliche Zyklus hingegen variiert individuell. Faktoren wie Alter, Stress, Gewicht oder Stillen können die Zykluslänge beeinflussen. Dass Eisprung oder Entbindung mit Vollmond zusammenfallen, ist daher rein zufällig.

Fazit: Der Mond beeinflusst den Zyklus nicht

Während der Mond viele natürliche Prozesse steuert, hat er offenbar keinen direkten Einfluss auf den weiblichen Zyklus. Wer seine fruchtbarste Phase bestimmen möchte, sollte lieber auf wissenschaftlich fundierte Methoden setzen:

  • Basaltemperatur messen
  • Zervixschleim beobachten

Diese Methoden liefern konkrete Hinweise auf Eisprung und fruchtbare Tage – ganz ohne Blick zum Himmel.

Erfahre mehr zum Thema

Der weibliche Zyklus wird durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Hormone gesteuert und beeinflusst.

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Quellen

1) Ilias I, Spanoudi F, Koukkou E, Adamopoulos DA, Nikopoulou SC. Do lunar phases influence menstruation? A year-long retrospective study. Endocr Regul. 2013 Jul;47(3):121-2. doi: 10.4149/endo_2013_03_121. PMID: 23889481.

2) Das S, Dodd S, Lewis-Jones DI, Patel FM, Drakeley AJ, Kingsland CR, Gazvani R. Do lunar phases affect conception rates in assisted reproduction? J Assist Reprod Genet. 2005 Jan;22(1):15-8. doi: 10.1007/s10815-005-0815-y. PMID: 15807217; PMCID: PMC3455390

3) Marco-Gracia FJ. The influence of the lunar cycle on spontaneous deliveries in historical rural environments. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2019 May;236:22-25. doi: 10.1016/j.ejogrb.2019.02.020. Epub 2019 Mar 2. PMID: 30877906

4) Strassmann, B.I. The biology of menstruation in Homo sapiens: total lifetime menses, fecundity, and nonsynchrony in a natural fertility population. Current Anthropol 197;38:123-129.

5) Law SP. The regulation of menstrual cycle and its relationship to the moon. Acta Obstet Gynecol Scand. 1986;65(1):45-8. doi: 10.3109/00016348609158228. PMID: 3716780