Ernährung bei Kinderwunsch

Iss dich fruchtbar! Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch

Du planst in naher Zukunft ein Baby? Dann ist jetzt genau die richtige Zeit, über Deine Ernährung nachzudenken. Denn die Studienlage ist eindeutig: Je besser eine Frau mit Folsäure, Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen wie C, D oder E  versorgt ist, desto eher erfüllt sich ihr Wunsch nach einem gesunden Baby.

Darum fang am besten gleich mit der Bestandsaufnahme an, zum Beispiel so: Wie oft isst du Spinat, dunkelgrüne Blattsalate, Kohl oder Hülsenfrüchte, die Dir Folsäure liefern? Bekommst Du genug Omega-3-Fettsäuren, zum Beispiel aus Algen oder fettem Seefisch? Nimmst Du über frische, pflanzliche Lebensmittel ausreichend Vitamin C und Magnesium zu Dir? Verwendest Du hochwertige Pflanzenöle oder isst Nüsse für Deine Vitamin E-Versorgung? Und verbringst Du tagsüber genug Zeit im Freien, um Deine Vitamin-D-Produktion anzukurbeln?

Bestens versorgt schon vor dem Eisprung

Sollten Nahrungsergänzungsmittel – fachsprachlich: Supplemente – sinnvoll sein, ist es dem heutigen Stand der Forschung nach empfehlenswert, schon 6 bis 8 Wochen vor der Empfängnis mit der Einnahme zu beginnen1. Warum so früh? Dafür gibt es vier gute Gründe:

  1. Erstens erhöht ein optimaler Nährstoffspiegel die Chance auf das perfekte Zusammenspiel der Fruchtbarkeitshormone – die Chance, dass Du schwanger wirst und bleibst, erhöht sich.
  2. Zweitens kann sich auf diese Weise die Gebärmutterschleimhaut besonders gut aufbauen – beste Bedingungen für eine stabile Schwangerschaft.
  3. Drittens kannst Du nur so die Entwicklung und Versorgung der Eizelle und des Embryos von Anfang an positiv beeinflussen – beim Ausbleiben der Regel liegt die Empfängnis ja schon etwa zwei Wochen zurück.
  4. Viertens fühlst Du Dich in der Schwangerschaft fitter und wohler, wenn es Deinem Körper an nichts mangelt.
  5. Deinen Vitamin- und Nährstoffstatus kannst Du übrigens jederzeit bei Deinem Hausarzt oder Deiner Frauenärztin checken lassen, der Bluttest muss allerdings meistens aus eigener Tasche bezahlt werden.
  6. Vitamine, Mineralien, Spurenelemente für die Fruchtbarkeit

Dass die Nährstoffversorgung die Fruchtbarkeit beeinflussen kann, arbeitete schon 1992 eine Studie mit mehr als 8.000 Teilnehmerinnen heraus. Die Hälfte der Frauen bekam Supplemente mit Kupfer, Mangan, Zink und Vitamin C, die andere Hälfte erhielt Supplemente mit denselben und zusätzlich weiteren Nährstoffen. Dazu zählten Vitamin A, D und E, B-Vitamine, Eisen, Folsäure und Magnesium. In der Gruppe, die die Vielzahl an Nährstoffen supplementierte, wurden im Untersuchungszeitraum von neun Monaten signifikant mehr Frauen schwanger als in der Kontrollgruppe2.

Folsäure, weiß man heute, mag hier eine Rolle gespielt haben. Doch dass auch andere Vitamine, Spurenelemente und Mineralien wichtig für die Fruchtbarkeit sind, legte eine zweite Studie 2012 nahe. Alle 58 Teilnehmerinnen wünschten sich ein Baby, litten an einer Gelbkörperschwäche und wurden mit Clomifen behandelt. Zusätzlich gab es für einen Teil der Frauen Nahrungsergänzungsmittel mit den oben genannten Nährstoffen sowie Jodid. Die Kontrollgruppe bekam ausschließlich Folsäure. Die Frauen, die die Multivitaminpräparate einnahmen, wurden und blieben eher schwanger3.

Inzwischen gibt es detaillierte Ergebnisse zu einigen Nährstoffen und ihrer Auswirkung auf die Fruchtbarkeit:

  • Folsäure erhöht die Wahrscheinlichkeit, binnen kurzem schwanger zu werden. Zusätzlich kann die Einnahme schon vor der Empfängnis das Risiko für einen Neuralrohrdefekt (z.B. Spina bifida / „offener Rücken“) um bis zu 100 Prozent senken. Außerdem sinkt das Risiko für Herzfehler und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten beim Nachwuchs1,2.
  • Vitamin E zusätzlich zu einer Fruchtbarkeitsbehandlung bewirkt, dass sich das Endometrium (die Gebärmutterschleimhaut) stärker aufbaut1.
  • Omega-3-Fettsäuren, vor einer In-Vitro-Fertilisation eingenommen, verbessern die Aussichten auf Embryos von hoher Qualität, auf eine erfolgreiche Schwangerschaft und ein geistig und körperlich gesundes Baby1.
  • Vitamin C verbessert bei Frauen mit einer Gelbkörperschwäche die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft1.
  • Eine hoher Vitamin D-Spiegel erhöht bei Frauen, die Fruchtbarkeitsbehandlungen durchlaufen, die Chance auf eine Schwangerschaft. Auch schützt er ein Stück weit vor der bakteriellen Vaginose (Aminkolpitis), die zur Frühgeburt führen kann1.
  • Jodmangel ist mit Fruchtbarkeitsproblemen assoziiert1.

Zu beachten ist natürlich, dass die genannten Studien Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch einschlossen und dass die Supplemente meistens im Rahmen einer Fruchtbarkeitsbehandlung eingenommen wurden. Wenn Deine Gesundheit und Deine Fruchtbarkeit unbeeinträchtigt sind, Du täglich Zeit unter freiem Himmel verbringst und Dich ausgewogen ernährst, sind Deine Spiegel an den genannten Nährstoffen womöglich „einfach so“ perfekt. Hast Du Zweifel, frag bitte einen Arzt oder eine Ärztin Deines Vertrauens.

Nährstoffe auch für den Papa!

Falls Du von jetzt ab nährstoffreicher essen (und trinken) möchtest, um die besten Voraussetzungen für Deine Schwangerschaft zu schaffen, beziehst Du am besten auch den künftigen Vater mit ein! Denn auch wenn der Einfluss der Ernährung auf die männliche Zeugungsfähigkeit noch nicht umfangreich erforscht ist, so zeichnet sich doch ab: Für optimale Qualität und Beweglichkeit der Spermien sind Vitamine und Mineralstoffe ebenfalls unverzichtbar4.

Zu den Vitaminen A, B12, C, D und E gibt es beeindruckende Studienergebnisse. Ist der Mann bestens damit versorgt, steigt die Chance auf eine hohe Anzahl gesunder, voll beweglicher Spermien im Ejakulat. Auch Folsäure, Eisen und Kalzium dienen der Zeugungsfähigkeit, ebenso Omega-3-Fettsäuren (4). Auch für Deinen Partner gilt jedoch: Wildes Supplementieren ist wenig sinnvoll. Zweifelt er daran, dass seine Nährstoffversorgung ausreicht, kann auch er seinen Arzt oder seine Ärztin um eine Blutuntersuchung bitten und um Rat fragen.

Kaffee in Maßen ja, Alkohol und Zigaretten nein

Doch die ausgefeiltesten Supplemente nützen wenig, wenn Giftstoffe die Spermien, die Eizelle oder beider Zusammenspiel stören. Früher hieß es manchmal: Wer viel Kaffee trinkt, verhütet. Bei Männern gilt das jedoch keinesfalls. Kaffeetrinker bilden Studien zufolge mehr Testosteron und mehr Sperma. Allenfalls ein extrem hoher Kaffeekonsum wird aktuell für schädlich gehalten4.

Bei Dir ist es ein wenig anders: Zwar spricht der Morgenkaffee Deinem Kinderwunsch nicht entgegen. Bei mehr als zwei Tassen Kaffee pro Tag wird es allerdings bedenklich, auch im Laufe einer Schwangerschaft. Ab fünf Tassen täglich ist einer dänischen Studie zufolge die Fruchtbarkeit sogar beeinträchtigt – das zeigten Untersuchungen mit Frauen, die bereits als subfertil galten und Kinderwunschbehandlungen durchliefen3. Darum ist hier jetzt weniger mehr.

Viele Frauen finden es logisch, die Schwangerschaft hindurch ganz auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten. Allerdings ist es Studien zufolge noch viel besser, wenn sowohl die Frau als auch der Mann diese Genussgifte schon Monate vor der Empfängnis aufgeben. Eine chinesische Studie gab Hinweise darauf, dass der väterliche Alkoholkonsum in den drei Monaten vor der Zeugung eines Kindes das Risiko für Herzfehler beim Nachwuchs erhöht6. Außerdem vermindert das Rauchen die Spermienqualität7. Frauen, die viel Alkohol trinken, verschlechtern ihre Aussicht darauf, ein Kind zu empfangen8. Auch weißt du sicher längst, dass das Rauchen (inklusive Passivrauchen) und der Alkoholkonsum zu jedem Zeitpunkt Deiner Schwangerschaft die Gesundheit Deines ungeborenen Kindes gefährden.

Daher gilt: Je früher ihr beide es schafft, einen Bogen um Alkohol und Zigaretten zu machen, desto besser fängt Deine Schwangerschaft an.

Nach dem positiven Test: Wann welche Supplemente guttun

Hurra, es hat geklappt! Herzlichen Glückwunsch. Nun bist Du sicher sehr motiviert, Deine – beziehungsweise Eure gemeinsame – Nährstoffversorgung im gesunden Bereich zu halten. Dein Körper freut sich darüber, und Dein Baby hat auch eine Menge davon. Hier einige relevante Fakten:

Wird Folsäure erst nach dem Feststellen der Schwangerschaft supplementiert, kann das Risiko für einen Neuralrohrdefekt weiterhin stark reduziert werden1.

Mit einem hohen Vitamin D-Spiegel kannst Du Allergien und Asthma bei Deinem Kind ein Stück weit vorbeugen und das Risiko für eine Frühgeburt senken1.

Jod trägt dazu bei, dass Deine Schilddrüse im Gleichgewicht bleibt und die Deines Kindes sich bestens entwickelt. Auch für die Entwicklung des Gehirns ist die Jodversorgung ausschlaggebend1.

Omega-3-Fettsäuren sind für Entwicklung des Gehirns, der Nervenbahnen und des Sehvermögens Deines Kindes unverzichtbar. Supplemente mit der Omega-3-Fettsäure DHA (für: Docosahexaensäure) zeigten in Studien in der Frühschwangerschaft eine positive Wirkung auf das Wachstum des Embryos, in der Spätschwangerschaft reduzierten sie das Risiko für eine Frühgeburt1.

Eisen benötigen Dein Baby und Du für die Blutbildung. Auch die Sauerstoffversorgung und die Gehirnentwicklung Deines Babys verbrauchen viel Eisen. Mit einem ausgeprägten Eisenmangel von Schwangeren erhöht sich außerdem das Risiko für eine Frühgeburt (8). Weil ein Übermaß an Eisen aber ebenfalls das Frühgeburtsrisiko steigert und auch andere unerwünschte Wirkungen auf Eure Gesundheit haben kann, solltest Du nicht auf Verdacht Präparate kaufen, sondern Deinen Eisenstatus im Verlauf der Schwangerschaft untersuchen lassen10.

Grundsätzlich gilt: Im Falle eines Nährstoffmangels wird erst Dein Baby versorgt, dann kommst Du dran. Mach Dir also insgesamt nicht zu viele Sorgen und verlass Dich darauf, dass Dein Appetit, Dein Wohlbefinden insgesamt und Dein „Bauchgefühl“ Dir schon sagen, wann etwas fehlt. Im Zweifel oder bei Fragen, wende Dich an Deinen Arzt oder Deine Ärztin.

Die Bundeszentrale für Ernährung (BZfE) empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch allgemein eine ausgewogene, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung. Zusätzlich empfehlen die Expertinnen und Experten die folgende Nährstoffzufuhr pro Schwangerschaftstag:

  • 400μg Folsäure
  • 20μg Vitamin D
  • 200mg DHA, sofern Du nicht ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch isst
  • 100(–150) μg Jod
  • sowie Eisen bei einem nachgewiesenen Mangel11.

Aus gynäkologischer Sicht spricht viel dafür, mit der extra nährstoffreichen Ernährung bzw. den Supplementen schon anzufangen, sobald ihr bewusst auf ein Baby übt1.

Ob Du alles über die Ernährung schaffst oder das Plus an Nährstoffen über Supplemente zu Dir nimmst: Du wirst sehen, die neuen Gewohnheiten gehen Dir binnen kurzer Zeit in Fleisch und Blut über. Du wirst Dich bald daran gewöhnt haben und dich darüber freuen, dass Du die Weichen für ein gesundes, aktives Leben mit Deinem Baby gestellt hast.

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1) Bühling, K.J. Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch der Frau. Gynäkologische Endokrinologie 17, 3–10 (2019). https://doi.org/10.1007/s10304-018-0229-4

2) Czeizel AE, Dudás I, Vereczkey A, Bánhidy F. Folate deficiency and folic acid supplementation: the prevention of neural-tube defects and congenital heart defects. Nutrients. 2013 Nov 21;5(11):4760-75. https://dx.doi.org/10.3390/nu5114760

3) Agrawal R, Burt E, Gallagher AM, Butler L, Venkatakrishnan R, Peitsidis P. Prospective randomized trial of multiple micronutrients in subfertile women undergoing ovulation induction: a pilot study. Reprod Biomed Online. 2012 Jan;24(1):54-60.https://www.rbmojournal.com/article/S1472-6483(11)00536-0/fulltext

4) Vanderhout SM, Rastegar Panah M, Garcia-Bailo B, Grace-Farfaglia P, Samsel K, Dockray J, Jarvi K, El-Sohemy A. Nutrition, genetic variation and male fertility. Transl Androl Urol. 2021 Mar;10(3):1410-1431. doi: 10.21037/tau-20-592

5) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50751/IVF-Kaffee-und-fettes-Essen-gefaehrden-Kinderwunsch

6) https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Besser-keinen-Alkohol-bei-Kinderwunsch-402320.html

7) https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/bei-kinderwunsch-unbedingt-mit-dem-rauchen-aufhoeren/

8) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/70306/Hoher-Alkoholkonsum-vermindert-Fruchtbarkeit

9) https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/eisenmangel-verursacht-fruehgeburten/

10) https://www.ugb.de/eisenmangel-eisenbedarf/eisenmangel-eisenpraeparate/

11) https://www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungswissen/in-bestimmten-lebensphasen/sport-und-bewegung-in-der-schwangerschaft/