27.06.2024 14:16

Prämenstruelle Dysphorie PMDS, PMDD Symptome Ursachen und Behandlung

Dr. Niels van de Roemer
Dr. Niels van de Roemer Medical Adviser
Die unterschätzte Schwester des PMS

Was ist PMDS?

Prämenstruelle Dysphorie (PMDS) ist eine schwerwiegende, zyklusabhängige psychische Störung, die weit über die klassischen Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS) hinausgeht. Während PMS bei bis zu 75 % aller menstruierenden Frauen vorkommen kann, betrifft PMDS schätzungsweise 5 bis 8 % der Betroffenen. Frauen mit PMDS erleben in der zweiten Zyklushälfte – der sogenannten Lutealphase – extreme emotionale, psychische und körperliche Beschwerden, die ihr Leben massiv einschränken.

Die PMDS wird als eigenständige Diagnose im Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-5) geführt. Ihre Auswirkungen sind vergleichbar mit schweren depressiven Episoden, Angststörungen oder Zwangserkrankungen. Die Symptome beginnen meist nach dem Eisprung, verstärken sich bis zur Menstruation und klingen dann plötzlich ab.

Typische Symptome der prämenstruellen Dysphorie

Die Symptome der PMDS können von Frau zu Frau variieren, treten aber zyklisch wiederkehrend auf. Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • Tiefgreifende depressive Verstimmungen
  • Starke Reizbarkeit und Wutanfälle
  • Angstzustände und innere Unruhe
  • Emotionale Labilität mit plötzlichen Stimmungsschwankungen
  • Sozialer Rückzug, Isolation
  • Konzentrationsprobleme und kognitive Einschränkungen
  • Körperliche Beschwerden wie Brustspannen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder Schlaflosigkeit

Die Symptome müssen zyklusabhängig und in mehreren aufeinanderfolgenden Zyklen auftreten, um als PMDS diagnostiziert zu werden. Oft werden die Beschwerden jedoch lange fälschlich als "normale Stimmungsschwankungen" oder prämenstruelles Leiden abgetan – mit schwerwiegenden Folgen für die psychische Gesundheit.

Unterschied zwischen PMS und PMDS

Während das PMS eher leichte bis moderate Beschwerden wie Heißhunger, Wassereinlagerungen oder Gereiztheit verursacht, geht die PMDS in ihrer Intensität weit darüber hinaus. Ein klarer Unterschied liegt in der Ausprägung und Beeinträchtigung:

Häufigkeit:

  • PMS: Tritt bei bis zu 75 % der menstruierenden Frauen auf
  • PMDS: Betrifft nur etwa 5–8 % der Frauen im gebärfähigen Alter

Symptome:

  • PMS: Überwiegend körperliche Beschwerden wie Brustspannen, Blähungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit
  • PMDS: Vor allem schwere psychische Symptome wie Depression, Reizbarkeit, Angst und emotionale Instabilität

Intensität:

  • PMS: Symptome sind meist mild bis moderat und beeinträchtigen den Alltag kaum
  • PMDS: Symptome sind intensiv, stark beeinträchtigend und können zu sozialem Rückzug, Arbeitsunfähigkeit und Partnerschaftskonflikten führen

Zyklusabhängigkeit:

  • Beide treten in der Lutealphase (nach dem Eisprung bis zur Menstruation) auf
  • Bei PMDS verschwinden die Symptome typischerweise sofort mit Beginn der Periode

Diagnose:

  • PMS: Wird anhand der Selbstbeobachtung und typischer körperlicher Beschwerden erkannt
  • PMDS: Benötigt eine klinische Diagnose nach DSM-5-Kriterien über mindestens zwei Zyklen hinweg

Psychische Belastung:

  • PMS: Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen können vorkommen, sind aber kontrollierbar
  • PMDS: Tiefgreifende Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und emotionale Zusammenbrüche sind häufig

Behandlung:

  • PMS: Kann meist mit Lebensstiländerungen (z. B. Ernährung, Sport, Schlaf) gut behandelt werden
  • PMDS: Erfordert in vielen Fällen eine psychotherapeutische und/oder medikamentöse Therapie
Ursachen und Entstehung

Was passiert im Körper bei PMDS?

Die genauen Ursachen der PMDS sind noch nicht abschließend geklärt. Forschungen deuten jedoch auf eine erhöhte Sensibilität des zentralen Nervensystems gegenüber den natürlichen hormonellen Schwankungen im Zyklus hin. Betroffene Frauen zeigen eine übersteigerte Reaktion auf den Abfall von Progesteron und Östrogen, der nach dem Eisprung einsetzt.

Ein zentraler Aspekt scheint das Serotonin-System zu sein. Serotonin, ein Neurotransmitter, der die Stimmung reguliert, wird durch den Hormonhaushalt beeinflusst. Bei PMDS-Betroffenen wird eine veränderte Serotoninaufnahme und -verarbeitung im Gehirn beobachtet. Das erklärt die depressive Symptomatik und emotionale Instabilität in der Lutealphase.

Genetische Prädispositionen, chronischer Stress, Schilddrüsenerkrankungen oder vergangene traumatische Erlebnisse können das Risiko für PMDS zusätzlich erhöhen.

Diagnose

Wie wird PMDS erkannt?

Die Diagnose der PMDS basiert auf festgelegten Kriterien des DSM-5. Voraussetzungen sind:

  • Zyklusabhängige Symptome in der Lutealphase
  • Deutliche Beeinträchtigung im Alltag, Beruf oder sozialen Umfeld
  • Mindestens ein psychisches Leitsymptom wie Reizbarkeit, Depression oder Angst
  • Dokumentation der Symptome über mindestens zwei Menstruationszyklen

Ein gängiges Hilfsmittel für die Diagnostik ist das Zyklustracking mit Tagebüchern oder Apps wie Daysy, die dabei helfen, den Zusammenhang zwischen Beschwerden und Zyklusphasen zu analysieren.

PMDS erkennen, ernst nehmen und handeln

Prämenstruelle Dysphorie ist eine ernsthafte und oft unterschätzte Erkrankung. Sie hat das Potenzial, das Leben betroffener Frauen massiv zu beeinflussen – psychisch, körperlich, beruflich und sozial. Je früher eine zielgerichtete Diagnose erfolgt und eine individuell passende Therapie eingeleitet wird, desto besser lassen sich die Symptome kontrollieren.

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Alles über das prämenstruelle Syndrom (PMS): Ursachen, Symptome und wie eine ausgewogene Ernährung, Bewegung und Zyklustracking helfen können, Beschwerden zu lindern.

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FAQ
Wie erkenne ich, ob ich an PMDS leide?

PMDS zeichnet sich vor allem durch intensive psychische Symptome wie Depressionen, Angstzustände, extreme Reizbarkeit oder emotionale Instabilität aus – und das regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte. Wenn diese Beschwerden dein tägliches Leben, deine Beziehungen oder deine Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigen und mit Einsetzen der Menstruation schlagartig verschwinden, solltest du über eine ärztliche Abklärung auf PMDS nachdenken.

Kann PMDS ohne Medikamente behandelt werden?

In leichten bis moderaten Fällen können Lebensstilveränderungen und eine hormonfreundliche Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung helfen, die Symptome zu lindern. Auch psychotherapeutische Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie haben sich bewährt. In schweren Fällen ist jedoch häufig eine Kombination aus Medikation und Therapie notwendig.

Warum ist Zyklus-Tracking bei PMDS so wichtig?

Zyklus-Tracking ist ein entscheidendes Werkzeug, um den Zusammenhang zwischen den emotionalen und körperlichen Beschwerden und den verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus zu erkennen. Durch das tägliche Dokumentieren von Symptomen lässt sich feststellen, ob die Beschwerden zyklisch wiederkehren, was für die Diagnose von PMDS essenziell ist. Zudem hilft es Ärztinnen und Therapeuten dabei, die Wirksamkeit von Therapien zu überprüfen und die Behandlung gezielt anzupassen. Tools wie Daysy unterstützen dabei zuverlässig mit präzisen Zyklusdaten.