Was ist PMDS?
Prämenstruelle Dysphorie (PMDS) ist eine schwerwiegende, zyklusabhängige psychische Störung, die weit über die klassischen Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS) hinausgeht. Während PMS bei bis zu 75 % aller menstruierenden Frauen vorkommen kann, betrifft PMDS schätzungsweise 5 bis 8 % der Betroffenen. Frauen mit PMDS erleben in der zweiten Zyklushälfte – der sogenannten Lutealphase – extreme emotionale, psychische und körperliche Beschwerden, die ihr Leben massiv einschränken.
Die PMDS wird als eigenständige Diagnose im Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-5) geführt. Ihre Auswirkungen sind vergleichbar mit schweren depressiven Episoden, Angststörungen oder Zwangserkrankungen. Die Symptome beginnen meist nach dem Eisprung, verstärken sich bis zur Menstruation und klingen dann plötzlich ab.
Typische Symptome der prämenstruellen Dysphorie
Die Symptome der PMDS können von Frau zu Frau variieren, treten aber zyklisch wiederkehrend auf. Zu den häufigsten Beschwerden zählen:
- Tiefgreifende depressive Verstimmungen
- Starke Reizbarkeit und Wutanfälle
- Angstzustände und innere Unruhe
- Emotionale Labilität mit plötzlichen Stimmungsschwankungen
- Sozialer Rückzug, Isolation
- Konzentrationsprobleme und kognitive Einschränkungen
- Körperliche Beschwerden wie Brustspannen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder Schlaflosigkeit
Die Symptome müssen zyklusabhängig und in mehreren aufeinanderfolgenden Zyklen auftreten, um als PMDS diagnostiziert zu werden. Oft werden die Beschwerden jedoch lange fälschlich als "normale Stimmungsschwankungen" oder prämenstruelles Leiden abgetan – mit schwerwiegenden Folgen für die psychische Gesundheit.
Unterschied zwischen PMS und PMDS
Während das PMS eher leichte bis moderate Beschwerden wie Heißhunger, Wassereinlagerungen oder Gereiztheit verursacht, geht die PMDS in ihrer Intensität weit darüber hinaus. Ein klarer Unterschied liegt in der Ausprägung und Beeinträchtigung:
Was passiert im Körper bei PMDS?
Die genauen Ursachen der PMDS sind noch nicht abschließend geklärt. Forschungen deuten jedoch auf eine erhöhte Sensibilität des zentralen Nervensystems gegenüber den natürlichen hormonellen Schwankungen im Zyklus hin. Betroffene Frauen zeigen eine übersteigerte Reaktion auf den Abfall von Progesteron und Östrogen, der nach dem Eisprung einsetzt.
Ein zentraler Aspekt scheint das Serotonin-System zu sein. Serotonin, ein Neurotransmitter, der die Stimmung reguliert, wird durch den Hormonhaushalt beeinflusst. Bei PMDS-Betroffenen wird eine veränderte Serotoninaufnahme und -verarbeitung im Gehirn beobachtet. Das erklärt die depressive Symptomatik und emotionale Instabilität in der Lutealphase.
Genetische Prädispositionen, chronischer Stress, Schilddrüsenerkrankungen oder vergangene traumatische Erlebnisse können das Risiko für PMDS zusätzlich erhöhen.
Wie wird PMDS erkannt?
Die Diagnose der PMDS basiert auf festgelegten Kriterien des DSM-5. Voraussetzungen sind:
PMDS erkennen, ernst nehmen und handeln
Prämenstruelle Dysphorie ist eine ernsthafte und oft unterschätzte Erkrankung. Sie hat das Potenzial, das Leben betroffener Frauen massiv zu beeinflussen – psychisch, körperlich, beruflich und sozial. Je früher eine zielgerichtete Diagnose erfolgt und eine individuell passende Therapie eingeleitet wird, desto besser lassen sich die Symptome kontrollieren.