09.07.2025 13:16

Überschwängerung oder zweimal schwanger in einem Zyklus

Petra Plaum Fachjournalistin für Medizin und Bildung

Was bedeutet Überschwängerung (Superfekundation)?

Überschwängerung, medizinisch auch als Superfekundation oder Superfötation bezeichnet, beschreibt das seltene Phänomen, dass eine Frau während eines Zyklus zweimal schwanger wird. Dabei kommt es zu mehreren Eisprüngen, die nicht gleichzeitig, sondern im Abstand von mehreren Tagen oder sogar Wochen stattfinden. Entgegen der gängigen Annahme, dass der weibliche Körper nach einer erfolgreichen Befruchtung alle weiteren Eisprünge unterbindet, zeigen neuere medizinische Fälle, dass dies nicht immer zuverlässig geschieht.

Doppelte Eisprünge: Ein biologischer Normalfall?

Tatsächlich kommt es laut Studien bei 10 bis 20 Prozent aller Frauen im fruchtbaren Alter zu mehreren Eisprüngen pro Zyklus. Allerdings erfolgen diese in der Regel innerhalb eines kurzen Zeitfensters von 6 bis 24 Stunden. Innerhalb dieses Zeitraums kann eine Frau mehrere Eizellen freisetzen, was zur Entstehung zweieiiger Zwillinge führen kann. Derartige Zwillingsgeburten sind zwar seltener als Einlingsschwangerschaften, aber keine Seltenheit – weltweit kommen 33 von 1000 Geburten als Zwillingsgeburt zur Welt.

Der Zervixschleim verändert sein Aussehen, Menge und Konsistenz im Laufe deines Zyklus. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Befruchtung, da er die Spermien schützt und ernährt.

Normalerweise hat er eine klare milchig-weiße Farbe, manchmal kann sich dein Ausfluss aber mit einer kleinen Menge Blut vermischen.

Wenn Wochen zwischen den Eisprüngen liegen

In seltenen Fällen jedoch berichten Frauen von einer zweiten Empfängnis mehrere Tage oder sogar Wochen nach der ersten. Diese Form der Superfötation ist medizinisch äußerst selten und wissenschaftlich nur in wenigen Fällen dokumentiert. Besonders spektakulär sind Fälle wie der von Dee Michelle aus den USA, die nach Aussagen ihres Arztes zuerst eine Tochter und sechs Tage später eineiige Zwillinge empfangen hat. Auch andere dokumentierte Fälle zeigen, dass eine zweite Befruchtung auch 10 bis 14 Tage nach der ersten möglich sein kann – ein Ereignis, das mit den bisherigen Kenntnissen über die hormonelle Steuerung des weiblichen Körpers schwer zu vereinbaren ist.

Die Rolle von Hormonen bei der Superfekundation

Normalerweise schüttet der weibliche Körper nach der Befruchtung einer Eizelle Schwangerschaftshormone wie Progesteron, Estradiol und Inhibin A aus, die den Follikel-stimulierenden Hormonspiegel (FSH) senken. Dadurch wird ein weiterer Eisprung unterdrückt. Bei manchen Frauen jedoch – vor allem bei solchen, die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen – bleibt der FSH-Spiegel künstlich erhöht. Dies kann dazu führen, dass der hormonelle Mechanismus, der weitere Eisprünge verhindert, nicht greift, wodurch eine zweite Eizelle heranreifen und befruchtet werden kann.

Auch bei Frauen ohne hormonelle Stimulation kann es in Ausnahmefällen zu einem natürlich hohen FSH-Spiegel kommen oder zu einer ungenügenden hormonellen Antwort auf die erste Befruchtung, was den Weg für eine zweite Schwangerschaft innerhalb desselben Zyklus öffnet.

Kinder mit unterschiedlichem Alter und sogar unterschiedlichen Vätern

In Fällen der Superfekundation wachsen die Kinder zwar als Zwillinge heran, sind jedoch unterschiedlich alt, was sich beim Gestationsalter nachweisen lässt. Besonders brisant wird es, wenn die Frau in dieser Zeit sexuellen Kontakt mit unterschiedlichen Partnern hatte – es kann dann vorkommen, dass die Kinder verschiedene Väter haben. Dieses extrem seltene Phänomen wird als heteropaternale Superfekundation bezeichnet. Solche Fälle sind weltweit nur eine Handvoll dokumentiert, sorgen aber regelmäßig für großes Aufsehen in der Fachwelt und der Öffentlichkeit.

Risiko oder Wunschtraum? Wer ist betroffen?

Die Wahrscheinlichkeit für Überschwängerung nimmt mit dem Alter zunächst zu – insbesondere zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr steigt die Frequenz doppelter Eisprünge deutlich. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt sie jedoch wieder rapide ab. Besonders Frauen mit Kinderwunsch, die sich in hormoneller oder künstlicher Reproduktionstherapie befinden, sind potenziell stärker betroffen.

Gleichzeitig stellt Überschwängerung ein Risiko für Frauen dar, die natürlich verhüten. Methoden wie Temperaturmessung oder Zyklus-Apps können zwar den fruchtbaren Zeitraum gut abbilden, decken aber nicht immer beide Eisprünge ab, wenn diese zeitlich weit auseinanderliegen. So entsteht ein verdecktes Fruchtbarkeitsfenster, das das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft erhöht.

Moderne Zyklustracker und ihre Grenzen

Zunehmend nutzen Frauen zur natürlichen Verhütung digitale Zykluscomputer oder Fertility Tracker, die auf der Auswertung von Körpertemperatur, Hormonwerten und Zervixschleim basieren. Solche Geräte sind in der Lage, mehrere Eisprünge innerhalb eines Zyklus zu erkennen, sofern diese innerhalb des üblichen 24-Stunden-Fensters liegen. Eine Superfekundation im Abstand von mehreren Tagen oder Wochen kann jedoch selbst von fortschrittlichen Geräten nicht zuverlässig erfasst werden.

Medizinische Einordnung und Studienlage

Die medizinische Literatur beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit dem Thema der mehrfachen Eisprünge. Schon 1983 wurde im renommierten Fachjournal The Lancet eine Studie veröffentlicht, die das Vorkommen reifer Follikel in spontanen und induzierten Zyklen belegte. Weitere Arbeiten bestätigen, dass fortgeschrittenes Alter der Frau mit einer erhöhten Rate an doppelten Ovulationen korreliert – ein biologischer Mechanismus, der die nachlassende Fruchtbarkeit teilweise auszugleichen versucht.

Hormonelle Dysbalancen

Ein Ungleichgewicht der Hormone, etwa durch Stress, Erkrankungen der Schilddrüse, Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) oder hormonelle Verhütungsmittel, kann den Zyklus stören und zu unerwarteten Blutungen führen. Auch der Eintritt in die Wechseljahre ist eine Phase, in der solche Symptome häufig auftreten können.

Fazit: Ein sehr seltenes medizinisches Phänomen

Überschwängerung ist ein faszinierendes, wenn auch seltenes Naturphänomen, das unser Verständnis der menschlichen Fortpflanzung herausfordert. Während die meisten Frauen einen Eisprung pro Zyklus erleben, zeigen einige seltene Fälle, dass der Körper unter bestimmten Umständen mehrmals hintereinander befruchtungsfähig sein kann – mit potenziell mehreren Schwangerschaften als Folge. Die betroffenen Kinder gelten medizinisch als zweieiige Zwillinge, können aber unterschiedlichen Alters und sogar unterschiedlicher Vaterschaft sein. Für Frauen mit Kinderwunsch kann dies ein Segen, für Frauen mit Verhütungsabsicht jedoch ein Risiko darstellen.

FAQ

Ist eine Schwangerschaft während der Schwangerschaft möglich?

Ja, in extrem seltenen Fällen kann es tatsächlich zu einer sogenannten Superfötation kommen, bei der eine Frau nach bereits eingetretener Schwangerschaft erneut eine Eizelle befruchtet und diese sich ebenfalls erfolgreich einnistet. Dies geschieht nur, wenn der hormonelle Mechanismus, der normalerweise weitere Eisprünge verhindert, nicht ausreichend greift – z. B. durch natürliche Besonderheiten oder medizinische Hormonbehandlungen.

Wie wahrscheinlich ist eine Überschwängerung?

Realistisch betrachtet ist Überschwängerung beim Menschen extrem selten.

Während mehrere Eisprünge innerhalb eines Zyklus – meist im Abstand von Stunden – bei etwa 10 bis 20 % der Frauen vorkommen, ist eine Superfötation mit mehreren Tagen oder gar Wochen Abstand zwischen den Empfängnissen ein medizinisches Ausnahmeereignis. Weltweit sind nur einige wenige gut dokumentierte Fälle bekannt.

Die realistische Häufigkeit liegt schätzungsweise bei weniger als 1 Fall pro mehreren Millionen Schwangerschaften. In der Regel wird der zweite Eisprung durch die hormonelle Umstellung nach der ersten Befruchtung zuverlässig verhindert.

Kurz gesagt: Mehrere Eisprünge pro Zyklus sind nicht ungewöhnlich, aber eine tatsächliche Überschwängerung ist extrem selten.

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Quellen

1) Sallam HN, Whitehead MI, Collins WP. Incidence of mature follicles in spontaneous and induced ovarian cycles. Lancet. 1983 Feb 12;1(8320):357. doi: 10.1016/s0140-6736(83)91661-6. PMID: 6130359.

2) Beemsterboer SN, Homburg R, Gorter NA, Schats R, Hompes PG, Lambalk CB. The paradox of declining fertility but increasing twinning rates with advancing maternal age. Hum Reprod. 2006 Jun;21(6):1531-2. doi: 10.1093/humrep/del009. Epub 2006 Feb 23. PMID: 16497698

3) A Pittsburgh Couple Is Expecting Triplets In Rare Double Pregnancy – BOTWC (becauseofthemwecan.com)

4) Unglaublich, aber wahr: Eine Frau wurde während der Schwangerschaft erneut schwanger (yahoo.com)

5) The Myth of Multiple Ovulation (fertilitycharting.com.au)

6) Mogollón F, Casas-Vargas A, Rodríguez F, Usaquén W. Twins from different fathers: A heteropaternal superfecundation case report in Colombia. Biomedica. 2020 Dec 2;40(4):604-608. English, Spanish. doi: 10.7705/biomedica.5100. PMID: 33275339.

7) https://www.youtube.com/watch?v=yUYq46OrRUU

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