28.07.2025 10:25

So unterstützt Ernährung deinen Kinderwunsch

Dr. Niels van de Roemer
Dr. Niels van de Roemer Medical Adviser

Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch

Wer ein Baby plant, sollte nicht nur auf den Zyklus und den Hormonhaushalt achten, sondern auch darauf, was täglich auf dem Teller landet. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, die Ernährung genauer zu betrachten. Welche Lebensmittel fördern die Fruchtbarkeit? Und welche sollte man bei Kinderwunsch besser meiden? Studien belegen eindeutig: Eine gute Versorgung mit Folsäure, Omega-3-Fettsäuren sowie den Vitaminen C, D und E kann den Weg zu einem gesunden Baby erleichtern.

Lebensmittel, die die Fruchtbarkeit fördern

Ein gesunder und ausgewogener Speiseplan kann maßgeblich dazu beitragen, die Chancen auf eine Empfängnis zu erhöhen. Besonders empfehlenswert sind:

  • Grünes Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat, Rucola oder Grünkohl, die reich an Folsäure sind.
  • Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen, die wichtige Mineralstoffe liefern.
  • Omega-3-reiche Lebensmittel wie fetter Seefisch (z. B. Lachs, Makrele) oder Algenprodukte.
  • Nüsse und hochwertige Pflanzenöle (z. B. Raps- oder Leinöl) zur Versorgung mit Vitamin E.
  • Frisches Obst und Gemüse als Quelle für Vitamin C und Magnesium.
  • Vollkornprodukte sowie moderate Mengen an Milchprodukten.

Auch der Vitamin-D-Spiegel spielt eine entscheidende Rolle. Ausreichend Sonnenlicht und gegebenenfalls Supplemente helfen, einen Mangel zu vermeiden, der die Einnistung erschweren kann.

Wie die Ernährung die Fruchtbarkeit beeinflusst

Folsäure – der Schlüssel zur erfolgreichen Empfängnis

Folsäure ist einer der wichtigsten Nährstoffe für Frauen mit Kinderwunsch. Sie fördert nicht nur die Zellteilung, sondern reduziert nachweislich das Risiko schwerer Entwicklungsstörungen wie Neuralrohrdefekte beim Embryo. Die empfohlene tägliche Menge beträgt 400 Mikrogramm, am besten bereits drei Monate vor der geplanten Empfängnis.

Natürliche Quellen für Folsäure sind grünes Blattgemüse, Brokkoli, Hülsenfrüchte, Spargel und Vollkornprodukte. Da es schwierig ist, den Tagesbedarf allein über die Ernährung zu decken, empfehlen Experten die zusätzliche Einnahme von Folsäurepräparaten.

Omega-3-Fettsäuren für eine optimale Eizellqualität

Eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist sowohl für die Frau als auch für den Mann entscheidend. Diese wertvollen Fettsäuren verbessern die Zellmembranqualität der Eizellen und steigern die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung. Studien zeigen, dass Paare, die regelmäßig Omega-3-reiche Lebensmittel wie Lachs, Makrele, Hering oder Leinöl konsumieren, bessere Schwangerschaftsraten erzielen. Vegetarierinnen können auf Algenöl-Kapseln zurückgreifen, die eine hochwertige DHA-Quelle darstellen.

Vitamin E und Vitamin D – Schutz und Aufbau der Gebärmutterschleimhaut

Vitamin E wird oft als „Fruchtbarkeitsvitamin“ bezeichnet. Es schützt die Eizellen vor freien Radikalen und unterstützt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), was für die Einnistung entscheidend ist. Gute Quellen für Vitamin E sind Mandeln, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne und hochwertige Pflanzenöle wie Weizenkeim- oder Rapsöl.

Vitamin D hingegen wird zu einem Großteil über Sonnenlicht gebildet. Frauen mit Kinderwunsch sollten besonders in den Wintermonaten auf ihren Vitamin-D-Spiegel achten, da ein Mangel die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen kann. Eine Ergänzung von 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag wird oft empfohlen, wenn die natürliche Sonnenexposition nicht ausreicht.

Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht erst bei einem diagnostizierten Mangel eingesetzt werden. Studien empfehlen, bereits 6 bis 8 Wochen vor der Empfängnis mit einer gezielten Supplementierung zu beginnen. Die Gründe dafür sind eindeutig:

  1. Ein optimaler Nährstoffstatus fördert das Zusammenspiel der Fruchtbarkeitshormone.
  2. Die Gebärmutterschleimhaut kann sich stabil aufbauen, um eine erfolgreiche Einnistung zu ermöglichen.
  3. Die Entwicklung von Eizelle und Embryo wird von Beginn an positiv beeinflusst.
  4. Ein ausgeglichener Nährstoffhaushalt sorgt für mehr Energie, Wohlbefinden und Stabilität während der Schwangerschaft.

Ein Bluttest bei einer Frauenärztin oder einem Hausarzt kann wertvolle Informationen über den Vitamin- und Mineralstoffstatus liefern. Sollte die Ernährung nicht ausreichen, können Supplemente gezielt Lücken schließen.

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente für die Fruchtbarkeit

Bereits 1992 zeigte eine Studie mit 8.000 Teilnehmerinnen, dass Frauen mit einer umfangreichen Nährstoffversorgung häufiger schwanger wurden. Neben Kupfer, Zink, Mangan und Vitamin C wurden auch Vitamin A, D und E, B-Vitamine, Eisen, Magnesium und Folsäure als entscheidende Faktoren identifiziert.

Die wichtigsten Nährstoffe im Überblick

  • Folsäure: Erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft und reduziert das Risiko von Neuralrohrdefekten um bis zu 100 %.
  • Vitamin E: Unterstützt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und erhöht die Erfolgsrate von Fruchtbarkeitsbehandlungen.
  • Omega-3-Fettsäuren: Steigern die Qualität der Eizellen und verbessern die Chancen auf eine erfolgreiche In-vitro-Fertilisation.
  • Vitamin C: Unterstützt Frauen mit Gelbkörperschwäche und erhöht deren Schwangerschaftschancen.
  • Vitamin D: Verbessert die hormonelle Balance und reduziert das Risiko einer bakteriellen Vaginose.
  • Jod: Ist essenziell für die Schilddrüsenfunktion und die Entwicklung des Kindes.

Kinderwunsch-Ernährung auch für Männer

Die Ernährung hat auch Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit. Vitamine und Spurenelemente können die Qualität und Beweglichkeit der Spermien deutlich verbessern. Empfehlenswert sind:

  • Vitamin A, B12, C, D und E
  • Folsäure, Eisen und Zink
  • Omega-3-Fettsäuren

Auch Männer sollten mindestens drei Monate vor der geplanten Empfängnis auf Alkohol und Nikotin verzichten, um die Qualität des Spermas zu optimieren.

Mineralien und Spurenelemente: Eisen, Zink und Magnesium

Auch Eisen, Zink und Magnesium sind unverzichtbar für die Fruchtbarkeit. Eisen unterstützt die Blutbildung und verbessert die Sauerstoffversorgung, während Zink eine wichtige Rolle bei der Hormonproduktion spielt. Magnesium wirkt entspannend auf die Muskulatur und kann Krämpfe sowie Stress reduzieren – Faktoren, die die Empfängnis begünstigen.

Nach dem positiven Schwangerschaftstest: Welche Supplemente sind jetzt wichtig?

Nach der Bestätigung der Schwangerschaft bleiben Folsäure und Vitamin D die wichtigsten Nährstoffe. Ergänzt werden sollten:

  • 200 mg DHA (Omega-3-Fettsäuren), falls kein regelmäßiger Fischkonsum besteht.
  • 100–150 µg Jod, um die Schilddrüsenfunktion zu stabilisieren.
  • Eisen, falls ein Mangel festgestellt wird.

Ein hoher Vitamin-D-Spiegel kann zusätzlich Allergien und Asthma beim Kind vorbeugen und senkt das Risiko einer Frühgeburt.

Empfehlungen der BZfE

Die Bundeszentrale für Ernährung (BZfE) empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch:

  • 400 μg Folsäure täglich
  • 20 μg Vitamin D täglich
  • 100–150 μg Jod
  • 200 mg DHA, sofern kein regelmäßiger Fischverzehr erfolgt
  • Eisen nur bei diagnostiziertem Mangel

Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Baby

Eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung ist eines der wirksamsten Mittel, um die Fruchtbarkeit zu steigern und den Körper optimal auf eine gesunde Schwangerschaft vorzubereiten. Ob durch frische, natürliche Lebensmittel oder gezielte Nahrungsergänzungsmittel – die richtige Nährstoffversorgung schon vor der Empfängnis legt das Fundament für eine problemlose Schwangerschaft und ein gesundes, vitales Baby.

Besonders wichtig ist es, den Körper frühzeitig mit Folsäure, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Eisen und Zink zu versorgen. Diese Nährstoffe unterstützen nicht nur den Hormonhaushalt, sondern fördern auch die Entwicklung einer stabilen Gebärmutterschleimhaut und die Qualität der Eizellen.

Wer rechtzeitig auf eine vitaminreiche und ausgewogene Kost achtet, schafft die besten Voraussetzungen, damit sich der Kinderwunsch bald erfüllt und das Baby von Beginn an gesund ins Leben startet.

Erfahre mehr zum Thema

Kinderwunsch? Die richtigen Nährstoffe können deinen Hormonhaushalt unterstützen, die Qualität von Eizellen und Spermien verbessern und so deine Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen.

Ein unerfüllter Kinderwunsch wirft viele Fragen auf. Hier erfährst du mögliche Ursachen, erste sinnvolle Schritte und welche Möglichkeiten die moderne Medizin bietet.

Lerne, wie du deine fruchtbaren Tage mit natürlicher Familienplanung erkennst und lebe im Einklang mit deinem Körper.

1) Bühling, K.J. Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch der Frau. Gynäkologische Endokrinologie 17, 3–10 (2019). https://doi.org/10.1007/s10304-018-0229-4

2) Czeizel AE, Dudás I, Vereczkey A, Bánhidy F. Folate deficiency and folic acid supplementation: the prevention of neural-tube defects and congenital heart defects. Nutrients. 2013 Nov 21;5(11):4760-75. https://dx.doi.org/10.3390/nu5114760

3) Agrawal R, Burt E, Gallagher AM, Butler L, Venkatakrishnan R, Peitsidis P. Prospective randomized trial of multiple micronutrients in subfertile women undergoing ovulation induction: a pilot study. Reprod Biomed Online. 2012 Jan;24(1):54-60.https://www.rbmojournal.com/article/S1472-6483(11)00536-0/fulltext

4) Vanderhout SM, Rastegar Panah M, Garcia-Bailo B, Grace-Farfaglia P, Samsel K, Dockray J, Jarvi K, El-Sohemy A. Nutrition, genetic variation and male fertility. Transl Androl Urol. 2021 Mar;10(3):1410-1431. doi: 10.21037/tau-20-592

5) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50751/IVF-Kaffee-und-fettes-Essen-gefaehrden-Kinderwunsch

6) https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Besser-keinen-Alkohol-bei-Kinderwunsch-402320.html

7) https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/bei-kinderwunsch-unbedingt-mit-dem-rauchen-aufhoeren/

8) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/70306/Hoher-Alkoholkonsum-vermindert-Fruchtbarkeit

9) https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/eisenmangel-verursacht-fruehgeburten/

10) https://www.ugb.de/eisenmangel-eisenbedarf/eisenmangel-eisenpraeparate/

11) https://www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungswissen/in-bestimmten-lebensphasen/sport-und-bewegung-in-der-schwangerschaft/